Berner Zeitung - BZ Band Of The Week 6 months ago
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Thuner Rockband tritt im Hallenstadion auf
Die Thuner Rockband Undiscovered Soul tritt am 19. Dezember im Hallenstadion als Vorgruppe der deutschen Combo «Silbermond» auf. Ein Gespräch mit Gitarrist Luk Kipfer und Bassist Rease Nydegger.
Anfang August habt ihr am Festival Rock Oz’ Arènes in Avenches gespielt. Nun hat Silbermond euch als Vorband für ihren Auftritt im Hallenstadion ausgesucht. 2012 scheint euer Jahr zu sein.
Rease: Das sehe ich nicht zwingend so. Auch wenn wir im Dezember im Hallenstadion spielen dürfen, hat sich gerade letztes Jahr vieles für uns entschieden. Wir haben 2011 viel erlebt, viele Konzerte gespielt und unsere erste CD veröffentlicht. Nun gehen wir halt einen Schritt weiter.Dennoch muss es doch speziell sein, auf einmal vor einem derart grossen Publikum auftreten zu können?
Raese: Klar kommt das nicht oft vor, dass wir vor tausenden Leuten spielen. Das ist für uns eine neue Herausforderung, auf die wir uns sehr freuen.
Luk: Wir erleben jeweils einen grossen Adrenalinschub, wenn wir vor mehr als hundert Leuten spielen. Ich denke, der Adrenalinpegel wird im Hallenstadion ins Unermessliche steigen…
Rease: Das erlebt man aber auch, wenn man in kleinen Klubs spielt, die proppenvoll sind und das Publikum kocht. Im Hallenstadion werden viele Leute bei unserem Auftritt noch gar nicht da sein. Und die, die da sind, interessieren sich natürlich mehr für die Hauptband. Diese Leute müssen wir abholen. Das dürfte eine spannende Erfahrung werden.
Im Hallenstadion tretet ihr vor Silbermond auf, eine Band, die mit deutschen Texten bekannt geworden ist. Ihr dagegen setzten konsequent auf Englisch. Hat sich die Frage nach der Sprache nie gestellt?
Rease: Wir haben uns immer an englischsprachigen Bands orientiert. Zudem fühlt sich unser Sänger in der englischen Sprache sehr wohl. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir plötzlich deutsche Songs schreiben werden.
Wie entstehen Ihre Songs überhaupt? Undiscovered Soul ist mit 6 Musikern eine relativ grosse Band. Auf der Homepage schreibt ihr, dass alle Mitglieder an den Stücken mitarbeiten…
Luk: Auch wenn wir mit ursprünglich sieben, jetzt sechs Mitgliedern eine grosse Band sind, bringt jeder Songideen und Textpassagen ein. Dann wird gemeinsam daran gefeilt, mit dem Ziel einen guten kompakten Song daraus zu machen, in den jeder das einbringen kann was er für richtig hält. Wenn wir uns einmal nicht einig sind, diskutieren wir darüber, bis wir eine Lösung gefunden haben, die für alle stimmt.
Rease: Wir haben eine gesunde Demokratie in der Band. Alle haben die gleichen Rechte, kein Bandleader sagt, wo’s lang geht. Darum dauert es bei uns auch etwas länger bis wir ein Stück fertig stellen.
Kürzlich musstet ihr einen Rückschlag hinnehmen. Euer Cellist hat die Band verlassen. Wie verkraftet man dies als Band, in welcher der Meinung jedes Einzelnen so viel Gewicht beigemessen wird?
Luk: Das war kein Kurzschlussentscheid, er hat sich das lange überlegt. Es ist für ihn genau so schwierig wie für uns als Band. Viele Gründe haben dabei eine Rolle gespielt, wobei die musikalische Ausrichtung auch mitentscheidend gewesen ist. Wichtig ist, dass wir uns immer noch gut verstehen. Wir lieben ihn genauso wie vorher (lacht).
Erklärt das Fehlen eines klassischen Bandleaders die verschiedenen Stilelemente auf eurem Album «Dresscode Love»? Cello trifft E-Gitarre, Düstere Songs und Balladen stehen neben pathetischen Rocknummern und funkigen Liedern.
Luk: Das stimmt. Es mischen sich viele Einflüsse bei uns. «Dresscode Love» ist unser erstes Album. Da hört man noch sehr gut heraus, dass manche Bandmitglieder auf klassische Rocksongs stehen und andere sich zum Beispiel eher dem Funk zuneigen. Bei unseren neuen Songs sind diese Einflüsse immer noch da, doch hört man jetzt stärker heraus, dass wir einen eigenen Sound gefunden haben.
Wann werden die neuen Songs erscheinen?
Luk: Nächsten Februar werden wir eine neue EP rausbringen.
Ihr vertreibt euer Album in Eigenregie. Wie schätzten Sie die Chancen ein, eure Musik in Zukunft über eine Plattenfirma vertreiben zu können?
Luk: Ich denke, den ausgeprägten Wunsch nach einem Plattenvertrag hat uns in der Vergangenheit blockiert. Wir fragten uns, wann denn endlich ein Label bei uns anklopfen würde. Wir setzten uns selbst unter Druck, was sich auch auf unsere Musik auswirkte. Ein Vertrag war zeitweise wichtiger als gute Songs zu schreiben. Nun haben wir entschieden, auf eigene Faust während den nächsten zwei Jahren drei EPs herauszubringen. Wenn dann ein gutes Angebot kommt, schön, aber wir sind nicht darauf angewiesen.
Man kann eure Songs gratis im Netz anhören, oder euch einen frei gewählten Betrag überweisen. Ist das Reaktion von Undiscovered Soul auf die heutige Download-Mentalität im Internet?
Rease: Ich persönlich finde es schade, wenn heute die klassischen CDs keinen Anklang mehr finden. Es ist doch schön, eine CD mit Booklet in den Händen zu halten. Da geht vielleicht mit dem Internet etwas verloren. Zugleich bietet das Netz aber auch neue Möglichkeiten. Als Musikbegeisterter ist das Internet für mich eine grossartige Möglichkeit, Musik aus der ganzen Welt zu hören. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen.
http://www.bernerzeitung.ch/region/thun/Thuner-Rockband-treten-im-Hallenstadion-auf/story/23914245




